Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem nie über Gott gesprochen wurde. Mein Bruder und ich bekamen eigentlich alles was wir brauchten und so wurde ich gut für's Leben ausgerüstet. Jedenfalls dachte ich das, bis ich vor ziemlich genau zwei Jahren die Nachricht erhielt, dass sich eine Freundin von mir das Leben genommen hatte…
Ich wusste nicht, wie ich mit solch einer Nachricht umgehen sollte. Ich wusste nicht einmal wirklich, was der Tod eigentlich ist. Was kommt danach? Kommt dort überhaupt etwas?
Zu Hause reden wir nie über Gefühle, und deshalb ließ ich mir nichts anmerken und versuchte, meine Fragen allein zu beantworten. Sollte nach dem Tod wirklich alles aus sein? Was für einen Sinn haben dann unsere siebzig oder achtzig Jahre auf dieser Erde?
Auf einmal war sie da: Die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich war immer ein guter Schüler und kam irgendwie durch Leben. Aber ist das alles? Man könnte meine damalige Frage so formulieren, wie es Jesus tat:
Denn was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und sein Leben einzubüßen?
Manch anderer hätte sich jetzt auf die Suche nach einer Antwort auf diese wichtige Frage begeben. Ich aber war in meiner Meinung so voreingenommen, dass ich nur die Wissenschaften anschaute und darin auch keine Lösung für den Tod fand. Also war meine Konsequenz: Ich will nicht mehr leben.
Ich begann, immer depressiver zu werden, und hörte Black- und Deathmetal. Auch meine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter. Da diese aber immer noch besser waren als von vielen anderen meiner Mitschüler, fiel das niemandem auf. Es bemerkten überhaupt nur sehr wenige Menschen, was in mir vorging. Ich hatte ja nie gelernt, über meine Gefühle zu reden, und hatte inzwischen auch kein Bedürfnis mehr danach. Ich wollte niemanden an mich heranlassen. Keiner sollte wissen, was in mir vorging. Nach außen blieb ich also immer noch der fröhliche und Witze-reißende Mensch, der ich schon immer war.
Doch eine Mitschülerin bemerkte anscheinend irgendwie meine Verzweiflung. Wir tauschten uns dann öfter mal über Gott und die Welt aus. Sie ist Christ, und ich fand das irgendwie komisch, an Gott zu glauben. Sie lud mich dann in die Jugendgruppe ihrer Gemeinde ein, und ich ging einfach mal hin. Zu verlieren hatte ich ja eh nichts mehr.
In dieser Gruppe bemerkte ich dann erstmals eine so ehrliche Liebe untereinander, dass ich geplättet war. Das konnte ich nirgendwo einordnen. Sowas hatte ich noch nie erlebt. Deshalb bin ich immer wieder dorthin gegangen.
Es gab auch immer eine kurze Andacht, und danach konnte man sich darüber austauschen. Obwohl ich so kritisch war, dass ich Gottes Existenz ausschloss, musste ich zugeben, dass diese Andachten richtig waren. Da hatte irgendjemand nachgedacht. Und ich wurde den Verdacht nicht los, dass dieser jemand Gott war.
Wenn diese Christen also recht hatten, dann gibt es nicht nur einen Gott - er hat auch Ansprüche an mein Leben, und ich kann diesen Ansprüchen nicht gerecht werden.
Das war super: Ich war absolut deprimiert und erfuhr noch, dass ich nicht gut genug für Gott bin. Das wäre ein auswegloses Dilemma, wäre nicht Jesus für mich gestorben. Durch sein Opfer konnte Gott mir vergeben. Nun lag es an mir diese Vergebung in Anspruch zu nehmen.
Ich besuchte diese Jugendgruppe einige Monate und wollte mich nicht so recht für Gott entscheiden. Irgendwie ging es immer noch ohne ihn. Da ich aber zunehmend depressiver wurde, überlegte ich immer öfter, wie man sich denn am schmerzlosesten das Leben nehmen könnte.
Irgendwann bemerkte ich jedoch, dass, wenn diese Sache mit Gott wahr ist, ich mich erstens nicht umbringen müsse und ich zweitens noch viel größere Probleme hätte, wenn ich mich, so sündig wie ich war, umbringe. Ich sprach also das Gebet aller skeptischen und verzweifelten Menschen. Schlimmstenfalls würde niemand mich hören, und meine Worte verhallen in einem leeren Raum. Also betete ich in etwa so:
Gott, wenn es dich gibt, dann hilf mir. Ich weiß, dass ich nie nach dir gefragt habe und das tut mir leid.
Ich wurde in diesem Moment Christ. Nur wusste ich das nicht. Weil irgendwie augenscheinlich noch alles gleich war. Ich sprach dieses Gebet in der folgenden Zeit mehrmals, weil ich irgendwie nicht sicher war, ob Gott es gehört hat.
Mit den Wochen und Monaten wurde ich glücklicher und erkannte den Sinn meines Lebens. Das ist mit dem Gott, der mich geschaffen hat, Gemeinschaft zu haben und ihm zu dienen. Ich begann in der Bibel zu lesen. Das war für mich das Normalste auf der Welt, denn ich wollte je schließlich mehr über den liebenden Gott wissen, der mich so sehr liebt, dass er sich für mich umbringen lässt. Ich besuche inzwischen auch eine Gemeinde und lerne von vielen anderen Christen Gott immer mehr zu verstehen. Ich verstehe nun, dass der Satz „ich will nicht mehr leben“ eigentlich bedeutete, dass ich so, wie ich bisher lebte, nicht mehr leben will. Ich folge jetzt jeden Tag Christus nach und frage nach seinem Willen. Denn der Gott, der mein Leben geschaffen und gerettet hat, hat sich Gedanken gemacht, wie ein Mensch leben soll. Da kann ich nur immer wieder staunen, wie gut so ein altes Buch wie die Bibel weiß, was in mir vorgeht und wie sie praktische Antworten auf das Leben gibt. Und wie sehr Gott mir täglich hilft seine Gedanken und Pläne umzusetzen.
Ich entdeckte dann in der Bibel auch eine Zusage, die Gott in meinem Leben erfüllt hat:
Und du wirst Gott finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst.