Linda: Trotz großer Liebe unzufrieden

Obwohl ich eine recht schöne Kindheit hatte, spürte ich doch oft, daß mir irgendetwas fehlte, aber ich konnte es nicht benennen. Was macht meinen Wert aus, wofür bin ich eigentlich da? Mir waren zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig. So dachte ich, daß mir zu meinem Glück nur noch ein Partner fehlen konnte, mit dem man alles teilt. Irgendwann hatte ich auch dies. Aber selbst in dieser Beziehung gab es Momente, in denen ich fühlte, daß mir immer noch etwas fehlte.

Ich wuchs in einer normalen, gut behüteten Familie in der ehemaligen DDR auf. Durch die Ideologie dieses Systems wurde ich kaum oder nur sehr selten mit dem Thema Gott und Glauben konfrontiert. Natürlich gab es auch in der DDR Menschen, die sich der Kirche oder dem Gauben zuwandten. Doch außer vereinzelten Besuchen bei der Christenlehre - aus Solidaritätsgründen meiner besten Freundin gegenüber - spielte Gott oder der Glaube keine Rolle in meinem Leben.

Obwohl ich eine recht schöne Kinder- und Jugendzeit, viele Freunde und relativ viele Freiheiten hatte, spürte ich doch oft, daß mir irgendetwas fehlte, aber ich konnte es nicht benennen. Im Alter zwischen 17 und 18 Jahren habe ich mich oftmals gefragt, was der Sinn des Lebens ist. Was macht meinen Wert aus, wofür bin ich eigentlich da?

So entschied ich mich für eine soziale Laufbahn, um meine Kenntnisse und Fähigkeiten für Menschen einzusetzen, die hilfsbedürftig sind. Ich absolvierte eine Ausbildung, zu der ein einjähriges Praktikum gehörte. Während dieses Praktikums lernte ich meine spätere Freundin Dörthe kennen. Dörthe war Christin. Wir verstanden uns sehr gut, vor allem konnten wir sehr gut diskutieren. Ich fand ihre Ansichten sehr interessant, aber eigentlich auch sehr weltfremd und einengend, da ich mir nicht vorstellen konnte, so zu leben. Später zog ich in eine andere Stadt, so daß wir uns nur sehr selten sahen, aber öfter miteinander telefonierten. - Obwohl ich in den verschiedensten sozialen Einrichtungen gearbeitet und dadurch viel über Menschen und mich selbst gelernt hatte, blieb die gewünschte, völlige Befriedigung aus. Auch die Frage nach dem Sinn des Lebens und meinem Dasein waren noch immer nicht geklärt.

Mir waren zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig. So dachte ich, daß mir zu meinem Glück nur noch eines fehlen konnte: Ein Partner, eine harmonische Beziehung, in der man alles miteinander teilt. Irgendwann hatte ich auch dies. Mit 23 Jahren traf ich meine große Liebe. Es war eine wunderschöne Zeit, aber selbst in dieser Beziehung gab es Momente, in denen ich fühlte, daß mir immer noch etwas fehlte. Ich wußte nicht, was das hätte sein können, jetzt, wo ich doch scheinbar alles hatte. Manchmal zweifelte ich an mir und meinen Vorstellungen vom Leben.

Ich war immer der Ansicht, daß wahre und tiefe Gefühle alles überstehen und über alles andere siegen. Das Leben und der Alltag zeigten mir etwas anderes. Unsere Beziehung zerbrach. Die Trauer und die Bewältigungphase dauerte länger an als die Beziehung selbst. Es war die schmerzlichste Erfahrung in meinem Leben. Mir sollte das nicht mehr passieren. Um dem Schmerz vorzubeugen und in meiner nächsten Beziehung perfekt reagieren zu können, las ich eine Menge Beziehungsbücher. Irgendwann lernte ich meinen späteren Freund kennen. Er praktizierte Yoga, und viele seiner Ansichten und Wertvorstellungen verursachten die Neugierde in mir, tiefer hineinzuschauen, um mehr davon zu erfahren. So ließ ich mich durch einen indischen Mönch in die Kunst des Yogas einweihen. Anfangs war ich sehr begeistert und motiviert, fleißig meditierte ich jeden Tag. Doch nach einer gewissen Zeit spürte ich auch hier, daß Yoga meine Leere nicht wirklich ausfüllen konnte. So meditierte ich immer seltener, bis ich gänzlich damit aufhörte. Auch schlichen sich Probleme in der Beziehung zu meinem Freund ein. Da wir oft nicht in der Lage waren, sie in den Griff zu bekommen, wurde ich immer unzufriedener. Meine Hilflosigkeit bestand darin, daß ich wußte, was nicht richtig war und wie es theoretisch anders laufen müßte, doch nicht die Kraft hatte, es umzusetzen.

In dieser Zeit telefonierte ich wieder häufiger mit Dörthe, die mir als Seelsorgerin fungierte. Als sie einmal bei mir in Berlin war, besuchten wir gemeinsam mit meinem Freund einen Gottesdienst. Ehrlich gesagt habe ich nicht sehr viel von dem verstanden, was gepredigt wurde. Was mich jedoch mit einem Mal getroffen hat, war, daß der Prediger von einer „persönlichen Beziehung zu Gott“ sprach. Ich hatte schon davon gehört, wußte aber nicht, was es wirklich bedeutete. So holte ich mir nach dem Gottesdienst eine Antwort darauf. Um eine persönliche Beziehung zu Jesus zu bekommen, muß man sich „für ihn entscheiden“ und „Jesus in sein Leben aufnehmen“, „ihm die völlige Herrschaft über sein Leben überlassen“. Da ich ein sehr gefühlsbetonter Mensch bin, fand ich die Antworten sehr trocken und mehr als unbefriedigend. Ich wollte nicht eine Kopfentscheidung für jemanden treffen, den ich nicht kannte und für den ich nichts fühlte. Ich wollte Jesus erst kennen und mich dann vielleicht für ihn entscheiden. Also konnte auch das nicht die Antwort auf mein Suchen gewesen sein.

Es vergingen einige Wochen, und die Konflikte in unserer Beziehung spitzen sich zu. Ich liebte meinen Freund, doch ich konnte so nicht mehr weitermachen - ich war unglücklich. Ich schüttete wieder mein Herz vor Dörthe aus. Sie meinte, ich könne zu Jesus gehen, er wartet auf mich und möchte mir helfen. Während dieses Gesprächs wurde mir auf einmal klar, wie oft ich zu Gott gegangen war und ihn um etwas gebeten hatte, ihn aber dann, als es mir wieder gut ging, wieder vergessen hatte. Ich schämte mich sehr. Als wir unser Telefonat beendet hatten, ging ich in mein Zimmer und bat Jesus, falls es ihn gibt - denn ich war mir nicht so sicher - in mein Leben zu kommen. Ich wollte sogar auf meinen Freund verzichten, wenn es der Preis sein würde, um ein Leben mit Jesus zu führen. So ernst war es mir. Ich bat Jesus aber auch, daß er mir helfen möge, mit einer möglichen Trennung zurechtzukommen, denn ich wußte, was der Verlust von geliebten Menschen in mir auslösen würde. Das Gefühl von Frieden und Ruhe, was ich danach spürte, kann ich nicht beschreiben. Und das Wundervollste war, daß die Frage nach dem Sinn beantwortet und die Leere war weg. Ich fühlte mich frei und glücklich, obwohl meine äußeren Bedingungen alles andere als glücklich waren.

Einige Wochen später trennte sich mein Freund von mir. Der Grund: Eine andere Frau. Wir wohnten noch in einer gemeinsamen Wohnung, was nicht immer leicht für mich war. In dieser Zeit habe ich Jesus und seine Liebe so sehr gespürt, daß ich es nicht glauben würde, hätte ich es nicht selbst erlebt. Ich fühlte mich so, als ob dies der Beginn eines neuen Lebens war. In meinem Herzen war Frieden, den kein Mann, kein materieller Reichtum, kein Vergnügen und keine noch so erfolgversprechende Karriere geben kann.

Mit 29 Jahren übergab ich mein Leben Jesus . Es war das beste, was mir je passiert ist. Aber oft schäme ich mich, wenn ich darüber nachdenke, daß ich dafür so lange gebraucht habe. Denn Jesus sagt, daß wir zu ihm gehen sollen und er uns Frieden und Ruhe gibt (Matthäus-Evangelium, Kap. 11, Vers 28). - Es fällt mir dann sehr schwer, die Menschen zu verstehen, die Jesus als einen hoch moralischen, vollkommenen Menschen ansehen, ihm aber eigentlich nicht vertrauen in dem, was er verspricht. Jesus sagt, daß er uns einen Frieden gibt, den uns sonst niemand geben kann (Johannes-Evangelium, Kap. 14, Vers 27). Doch wir, wir suchen den Frieden in Äußerlichkeiten, obwohl wir doch immer wieder erfahren, daß wir ihn dort nicht finden.

Außerdem verspricht Jesus: „Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit!“ (Johannes-Evangelium, Kap. 4, Vers 13).

Ich hatte schon oft von Jesus gehört, doch daß er die Antwort auf mein Suchen ist, hätte ich nie für möglich gehalten. Vielleicht habe ich es nicht für so wertvoll gehalten, weil es so einfach ist, es zu bekommen. Man muß nichts tun, außer ihn im Glauben anzunehmen und ihm völlig zu vertrauen.

leben/berichte/linda.txt · Zuletzt geändert: 2009/11/10 21:55 (Externe Bearbeitung)
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