Wozu Gott? Die Wissenschaft erklärt doch, wie unsere Welt funktioniert. Du bist auch dieser Meinung? Dann lies, wie es mir erging…
Die Menschen sind verschieden, sehr verschieden. Wenn ich hier beschreiben möchte, wie und warum ich mich für den Glauben an die biblische Botschaft entschieden habe, so soll dies kein romantischer Gottesbeweis sein. Vielmehr möchte ich aufzeigen wie es dazu kam und welche Einflüsse vorher auf mich einwirkten. Dies ist kaum wenn nicht gar unmöglich ohne meinen persönlichen und familiären Hintergrund zu kennen.
Die Menschen sind nicht nur verschieden, sondern haben auch die Möglichkeit, ihr Denken zu ändern. Dies bezieht sich auch auf sehr grundlegende Überzeugungen. Sicherlich gibt es auch Menschen, die gar keine richtigen Überzeugungen haben, alles relativieren oder denen alles egal ist. So jemand muß vielleicht erst lernen, überhaupt irgendeine Überzeugung zu vertreten. Das jedenfalls war nie mein Problem.
Was mein Denken über Gott und die Welt betrifft, so ist meine Entwicklung hier genau umgekehrt gewesen wie bei Charles Robert Darwin (der Begründer der Evolutionslehre) oder Douglas Noel Adams (ein zeitgenössischer Autor). Beide Männer hatten zunächst eine biblische Weltanschauung und wandten sich dann davon ab, hin zum Atheismus.
Zunächst möchte ich meinen familären Hintergrund beschreiben. Mein Großvater war ein Holzkaufmann aus Lyck in Masuren (Süd-Ostpreußen). Durch den Krieg kam er mit seinen beiden Töchtern nach Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Die Holsteiner waren über den Einfall der vielen Flüchtlinge alles andere als erfreut. Die ländliche Bevökerung empfand die Zugereisten noch nach Jahrzehnten als Fremdkörper. Beide Töchter ergriffen eine akademische Laufbahn (was damals keineswegs selbstverständlich war): die eine wurde Lehrerin, die andere Ärztin.
Letztere lernte einen jungen Iraker kennen, der aus Basra kam, um in Heide (Holstein) eine Lehre als KFZ-Mechaniker zu beginnen. Schließlich wurde ich geboren und zwei Jahre später meine Schwester. Da unsere Mutter aufgrund ihres Studiums keine Zeit für einen zusätzlichen Vollzeitjob als Babysitter hatte, kamen wir zu unseren Großeltern nach Heide.
Nur aus dem Bericht meiner Familie weiß ich, daß mein Vater versucht hat, mich in den Irak zu entführen. Meine Mutter, die bereits vorher einen dementsprechenden Traum hatte, der mit einem tödlichen Unfall meines Vaters endete, bat Gott darum, daß er die Strafe für meinen Vater auf einen nicht tödlichen Unfall reduziert (nicht zuletzt auch deshalb, weil sie die Rache der arabischen Verwandtschaft fürchtete). Desweiteren sorgte sie dafür, daß meine Großmutter sich mit mir bei Bekannten versteckte. Der Unfall trat ein, mein Vater überlebte und versuchte danach nie wieder, mich zu entführen.
Das erste Erlebnis meines Lebens, an das ich überhaupt erinnern kann, war ein Wutausbruch meines Vaters, der in der Küche abwechselnd Tassen vom Tisch war und danach sich selber gegen die Tür. Weinend stand ich neben dem Tisch, der gerade mal in Augenhöhe war. Ich habe dieses Erlebnis nie vergessen.
Meine Eltern haben sich früh getrennt. An ein Familienleben erinnere ich mich nicht. Treffen mit meinem Vater waren immer ein besonderes Erlebnis. Für mich als Junge war es toll, mich mal in seiner Werkstatt in ein Auto setzen zu dürfen. Einmal waren wir zusammen auf dem Jahrmarkt und ich erinnere mich, wie ich die Gelegenheit nutzte, ihn für sein o.g. Verhalten zur Rede zu stellen.
Hätte mich damals jemand gefragt, ob ich ein solches Verhalten als positives Beispiel betrachten würde, hätte ich das wahrscheinlich als schlechten Scherz verstanden. Jedenfalls machte mein Vater seinem Vornamen (kazum, arab.: der, der den Zorn herunterschluckt) keine Ehre. Dennoch hatte ich gerade mit diesem Punkt bereits frühzeitig selbst Probleme. Tobsuchtsanfälle waren besonders meiner Familie gegenüber alles andere als eine Seltenheit. Meine Tante erzählte mir später, sie sah mich schon im Knast enden; mein erster Berufswunsch soll „Mörder“ gewesen sein.
Da sich meine Eltern früh trennten, bekam ich zum moslemischen Glauben meines Vaters und dessen Kulturkreis keinen Zugang.
So wuchs ich bei meine Großeltern auf. Meine Großeltern waren fromme Leute, die einer Baptistengemeinde in Heide angehörten, die die Flüchtlinge gegründet hatten. Die Einheimischen selbst waren nicht religiös. Auf dem Land gab es vielfach auch spiritistische Praktiken.
Der Glaube spielte bei meinen Großeltern eine große Rolle. Meine Großmutter sang beim Arbeiten oft fromme Lieder. Mein Großvater erzählte mir beispielsweise, daß mein Vater judenfeindlich war. Ich verstand schnell, daß das offenbar etwas Negatives war. Als Kinder gingen wir in die Sonntagsschule und hörten biblische Geschichten. Daß Gott offenbar eine besondere Beziehung zu Israel hat, daß Jesus für unsere Sünden am Kreuz auf Golgatha gestorben ist: all das waren Dinge, die ich kannte.
Doch etwas zu kennen oder daran zu glauben bzw. dazu eine persönliche Beziehung zu haben, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Von frühester Kindheit an war ich - sicher geprägt durch den Einfluß meiner Mutter - von Natur und Technik begeistert. Ich besaß Kosmos-Elektronik-Experimentierkästen, Fischertechnik und interessierte mich auch für den Weltraum. Meine ganze Denkweise war von wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägt. So nahm meine Skepsis gegenüber der frommen Erziehung durch meine Großeltern immer mehr zu. Schließlich gelangte ich zu der Überzeugung, daß es keinen Gott gibt. Diese Überzeugung fußte nicht auf einem Wunsch, daß es keinen Gott geben dürfe, weil ich darin einen Nachteil sah. Es war vielmehr eine intellektuelle Überzeugung. Zu diesem Zeitpunkt war ich neun Jahre alt. Einmal begleitete ich einen Klassenkamerad mit dem Fahrrad nach Hause. Er erklärte mir, wie sich der Einbruch der fünften Dimension in diese Welt äußern wurde. Genau habe ich das alles nicht verstanden - aber ich war fasziniert davon!
Dieser Klassenkamerad erklärte mir auch, daß die Welt aus Atomen besteht. Ich berichtete meiner siebenjährigen Schwester davon. Daraufhin schrieb sie an eine Tafel: „Atome kann man nicht sehen, deswegen glaube ich es nicht.“ Ich war ganz empört über soviel „Unglauben“. Handelte es sich hierbei nicht um gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse? Ich ging zu der Tafel, wischte das Wort „Atome“ aus und setzte dafür „Gott“ ein.
Ich entschied mich ganz eindeutig für den Atheismus. Und Gott? Nun, Gott, so entschied ich, war eine Erfindung der Menschen. Besonders alte Menschen glauben an Gott. Wieso? Wie lange hat ein alter Mensch denn noch zu leben? Irgendeinen Trost braucht er doch! Und überhaupt: was würde wohl passieren, wenn ich mich mit meiner Oma über die fünfte Dimension unterhalten würde? Klar: alte Menschen sind einfach ungebildet und wissen nicht, wie die Welt entstanden ist. Sie haben sich noch nie über die Selbstorganisation der Welt Gedanken gemacht. Irgendeine Erklärung muß man ja haben. Also stellt man sich vor, irgendjemand hätte alles gemacht. Wie kann man nur so primitiv sein!
Meine neue Weltanschauung stand also. Diese Erkenntnis durfte ich natürlich nicht für mich behalten. Andere sollten davon erfahren!
Doch nicht alles ließ sich in das neue Weltbild so ohne weiteres einbinden. Es gibt soviele Menschen. Warum bin ausgerechnet ich ich? Besonders merkwürdig fand ich, daß wenn ich geschlafen hatte und aufwachte ich immer wieder ich bin und nicht „aus Versehen“ mal jemand anders.
Warum habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich stehle oder lüge? Hmmmmmm…
Einmal ging ich auf einer Freizeit mit einem Jungen an einem See spazieren. Der Junge schien an Gott zu glauben. Hier mußte also etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden. Ich erklärte ihm also, daß es keinen Gott gibt.
Dann dachte ich darüber nach, wie es eigentlich kommt, daß man manchmal in einer ganz neuen Situation ist und urplötzlich ein fast an Gewißheit grenzendes Gefühl hat, man wäre schon mal in dieser Situation gewesen. Wir gingen schweigend am See entlang und hatten uns auch vorher nie über dieses Thema unterhalten. Plötzlich fragte mich der Junge: „Sag mal, hast Du das auch schon mal gehabt, daß Du etwas neues erlebst und das Gefühl hast, Du hättest es schon mal erlebt?“ - Bitte, wie?
Jedenfalls gab es Momente, in denen ich nicht den Eindruck hatte, einfach nur ein Stück selbstorganisierte Materie zu sein. Möglcherweise stimmt hier etwas nicht. Einmal unterhielt sich meine Mutter mit mir darüber, daß die Seele nach dem Tod weiterlebt. Mir erschien das alles sehr unheimlich. Sie gab mir ein Buch mit dem Titel „Leben nach dem Tod“. Ich will mich heute keineswegs hinter die Ausführungen dieses Buches stellen (es handelte über Sterbeerlebnisse, sog. Thanatologie). Nach dem Lesen dieses Buches wurde mir intuitiv klar, daß es langsam Zeit wird, sich von einem rein materialistisch ausgerichteten Weltbild zu verabschieden.
Die einzige, ernstzunehmende Alternative schien mir der Glaube an die biblische Botschaft zu sein. Also betete ich zum ersten Mal in meinem Leben bewußt zum Herrn Jesus. Ich war damals zwölf Jahre alt. Daß es darum ging, daß ich vor Gott schuldig bin und daß nur das Opfer des Herrn Jesus am Kreuz mich davon befreien kann war mir völlig klar. Plötzlich wurde mir klar, daß der Materialismus keine Wissenschaft, sondern lediglich ein Gedankengebäude ist. Später als Abiturient wollte ich mehr darüber wissen und beschäftigte mich intensiv mit der Evolutionslehre.
Ich fühlte mich nun nicht versklavt sondern frei. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, daß ich mich nicht etwa gut fühlte, weil ich mich dem Glauben meiner Mutter anschloß. Es war ein ganz anderes Empfinden. Mir wurde plötzlich bewußt, daß mein Leben nicht eine sinnlose Existenz ist, die zufällig durch irgendeine Evolution entstanden ist. Leben ist etwas, was Gott hervorgebracht hat. Es ist in gewisser Weise ein Teil von ihm selbst. Und das ist nicht alles: Gott hat ein persönliches Interesse an mir und hat Seinen Sohn für mich geopfert, damit ich von meiner Schuld los komme. Plötzlich fühlte ich mich ganz klein und in anderer Hinsicht bedeutungsvoll. Was für eine tolle Sache!
Heute ist mir klar, daß Gott das Gebet, die Belehrung und das Leben meiner Mutter und Großeltern dazu benutzt hat, um mir meine Sitution vor Gott klarzumachen.
Danach gab es dann einiges zu lernen. Was war mit meinen Wutausbrüchen? Mir war klar, daß es so nicht weitergehen kann. Eine gewisse Änderung war sofort da, dennoch gab es auch Rückschläge. Das Temperament ist ja an sich nichts schlechtes, die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Das Verhältnis zu meiner Schwester wurde schlagartig besser. Auch sie hatte sich zu Gott bekehrt. Als sie im Westerwald an einer Freizeit teilnahm, schlug sie mir vor, auch einmal mitzukommen. Das tat ich dann auch. Dort lernte ich, die Bibel ernst zu nehmen und sie regelmäßig zu lesen. Ich war über diesen ernsthaften, geradezu „wissenschalftlichen“ Umgang mit der Bibel völlig überrascht. Dann schlug meine Schwester etwas vor, worüber ich mir auch schon Gedanken gemacht hatte: uns taufen zu lassen. So wurde ich mit sechzehn Jahren getauft und nahm danach auch regelmäßig an den Bibelstunden unserer Baptistengemeinde teil.
Auch unser Gynmasium sollte davon erfahren. So verkündigte ich die Botschaft der Bibel an unserer Schule. Wir veranstalteten Gebetstreffen. Auf dem Schulhof wurde ich gefragt, ob ich das Wiederkommen des Messias verkünden wolle oder ob ich ein Jünger sei.
Auch mit Lehrern wollte ich sprechen. Nach dem Abi schrieb ich meinem ehemaligen Tutor und Chemielehrer Briefe, um ihn vom Evangelium zu überzeugen. Da ich keine Reaktion erhielt, betete ich zu Gott, einmal persönlich mit diesem Mann sprechen zu dürfen. „Samstag wäre gut“, sagte ich im Gebet zu Gott.
Das Telefon klingelte. Ich erinnerte mich an mein Gebet und stellte mich schon innerlich auf ein Gespräch mit dem Lehrer ein. Meine Mutter rief mich ans Telefon.
„Ja, hallo Frank. Das war ja sehr interessant, was Sie mir da geschrieben haben. Irgendwie klang es missionarisch. Wissen Sie, von Mission halte ich eigenlich nicht viel. Aber ich denke, wir sollten uns einmal persönlich darüber unterhalten. Ich schlage daher ein Treffen vor. Was halten Sie von Sonnabend…?“